Anbindung neuer Standorte über VDSL2 Master/Slave

Mehrere Standorte können mit Glasfaser als auch mit klassischer Kupfertechnologie nicht erreicht werden, da die Infrastruktur des Stadtbereiches zu mangelhaft ausgebaut ist. Die einzige Verbindung die es bis in die Standorte gibt, ist klassische Zweidrahtverkabelung für maximal DSL-Anschlüsse. Daher entstand aus der Not das Projekt, diese Standorte über VDSL2 an das Netz anzubinden. Durch zwei VDSL2 Modems, welche in einem Master und Slave Modus betrieben werden, kann die Strecke zwischen letztem Verteiler bis zu dem Standort überbrückt werden. Diese Modems verfügen weiterhin über Routing und Switching Funktionen wie zum Beispiel VLAN Tagging, welche eine Grundvorraussetzung zur Findung der geeigneten Geräte waren.

Im Endeffekt wird das Master Modem an das Kernnetz angebunden, die IP-Pakete dann über die Zweidraht VDSL2-Strecke geroutet und am Slave Modem entgegengenommen. Danach werden diese über den dort angebunden Switch an die Clients vermittelt. Die Reichweite der VDSL2-Strecke darf nicht länger als 2,1km beanspruchen, laut Bandplan und Annex DSL-Standards. Für diese Entfernung beträgt die maximale Übertragungsgeschwindigkeit 18,9 Mbit/s zwischen den beiden Modems. Das hört sich nicht viel an, aber lieber weniger als gar nichts. Das Konstrukt ist etwas merkwürdig, allerdings die einzige Möglichkeit, die dortigen Einrichtungen an das Netz anzubinden. Ein Bild sagt mehr als tausend Wörter:

 

Auf dem Bild wurde eine DSL-Teststrecke mit einer Entfernung von ungefähr 2km verwendet.

 

 

Oftmals ist es so, dass auf einem der Kabel ein weißer dicker Strich über die gesamte Isolierung gedruckt ist. Dies ist die Kennzeichnung für die Plus-Polung.

 

 

Konfiguration

Sobald die Modems am Strom sind und mit dem Netzwerk oder mit einem Laptop verbunden sind, kann man auf die Weboberfläche zugreifen:

VC-450LT
IP-Adresse: 192.168.16.249
Password: admin

VC-450RT
IP-Adresse: 192.168.16.250
Username: admin
Password: admin

VC-450RT+
IP-Adresse: 192.168.16.254
Username: admin
Password: admin

 

Nachdem ich die Zweidrahtverkabelung, wie auf dem obigen Bild, zwischen den beiden Modems hergestellt habe. Dachte ich das DSL synchronisiert sich mit der Standardkonfiguration automatisch, aber da habe ich mich gewaltig geirrt. Da man nicht jeden Bandplan mit jedem Annex-Typ konfigurieren kann, muss man in der Anleitung nach der Kompatibilität dieser nachschlagen. Also spätestens hier wäre man dann gescheitert ohne jegliche Dokumentation.

 

 

Sobald das richtige Profil herausgesucht und konfiguriert wurde, kommen wir zu der Krönung des Produkts. Die erfolgreiche Synchronisation der Verbindung. Man muss nämlich nach jeder Bearbeitung eines Wertes in der VDSL-Konfiguration, die Line deaktivieren und wieder aktivieren. Man könnte das als Witz sehen, wenn es nicht ernst gemeint wäre. An sich wäre das ja kein Problem gewesen, allerdings habe ich eine gefühlte Ewigkeit damit verbracht, die Synchronisation herzustellen und war bis dato erfolglos. In der Dokumentation verweist man dann in etwas klein gedruckter Schreibweise als Anregung auf diese Deaktivierung und Aktivierung der Line wie folgt:

Muss ich dazu noch etwas sagen? Ich glaube nicht… unfassbar. Immerhin konnte die Strecke dann nun endlich erfolgreich synchronisieren, nachdem ich die Line einfach deaktiviert und wieder aktiviert habe. Bescheuerte Funktion, ganz ehrlich…

Jetzt wieder sachlicher bleiben und weiter gehts mit der Konfiguration der eigentlichen Netzwerkverbindung. Dafür ist es wichtig zu wissen, dass die Zweidrahtverkabelung beziehungsweise die VDSL2 Strecke als WAN-Schnittstelle definiert wird. Das ist hinsichtlich der Konfiguration an das vorhandene Netzwerk wichtig, da man hier anstatt die WAN-Schnittstelle die LAN-Schnittstelle bearbeiten muss. In der Weboberfläche trägt man dann unter LAN Settings die IP-Adresse und die Subnetzmaske ein. Den Eintrag für das Gateway wird man dort nicht finden, da dies über eine statische Default-Route definiert wird. Eine Default Route zum Beispiel [IP:]0.0.0.0 [Maske:]0.0.0.0 [Gateway:]192.168.0.1 gibt an, dass alle Pakete die durch keinen anderen Routing Eintrag verschickt werden können, dann über diese Default-Route an den nächstliegenden beispielsweise Router (Gateway of Last Resort) vermittelt werden. Eine ausführlichere Erklärung der Defaultroute findet Ihr auch in einem weiteren Beitrag von mir: Statisches Routing in Cisco-Router-Netzwerken

 

 

Die LAN-Settings bei dem Master Modem sehen etwas karg aus, viel einstellen kann man bei dem Master Modem leider allgemein nicht. Ganz im Gegenteil zum Slave Modem, habe ich nicht nur eine andere Weboberfläche, sondern auch viel mehr Netzwerkfunktionen die ich klar definieren und bearbeiten kann. Der Aufbau der IPv4 Einstellungen ist allerdings gleich.

 

 

Somit wäre die Grundkonfiguration der beiden Modems abgeschlossen. Zumindest sollten die Modems sich untereinander und die Endgeräte pingen können, welche an den jeweiligen Modems angeschlossen sind. Natürlich kann mna nun je nach Bedarf einen DHCP konfigurieren oder DNS-Server anpassen, als auch IPv6 und vieles mehr festlegen. Auf alle Fälle wäre es empfehlenswert die Login Daten als zusätzliches Minimum noch zu ändern.

Damit das Master Modem auch einen Zugriff in das Netzwerk bekommt, muss auch die Infrastruktur seitsn Router und Switch angepasst werden. In der Testumgebung erfolgt die physische Anbindung des Modems über ein Switch Interface welches ich beispielsweise als Trunk konfiguriert und die Netze als VLAN angelegt habe. Die Konfiguration sieht dann wie folgt aus:

interface GigabitEthernet1/0/10
 description VDSl2 Master
 switchport trunk allowed vlan 2,3
 switchport trunk native vlan 2
 switchport mode trunk
 no logging event link-status
 no snmp trap link-status
 no cdp enable
end

Auf dem Switch welcher an dem Slave Modem angeschlossen ist, muss natürlich die gleiche Untagged/Tagged Konfiguration der VLAN’s vorgenommen werden. Danach sollten die Geräte hinter dem Switch am Slave auch das Gateway beziehungsweise das Routerinterface pingen können. Als Letztes müssen die Endgeräte noch mit der nötigen IPv4-Einstellung ausgestattet werden, statisch oder falls vorhanden DHCP einrichten.

 

Fazit

Ein kurzes Fazit zu dem Mini-Projekt möchte ich noch geben. Die Endgeräte sind nicht gerade kostengünstig in der Beschaffung, allerdings ist es bemerkenswert, in der heutigen Zeit, noch einen Markt dafür zu finden. Ich würde mal frech behaupten, dass sich so etwas nur explizit auf dem deutschen Markt verkauft. Allein schon die extra Variante des Slave Modems für den Tonmodus der Telekom, ist schon ausschlaggebend dafür. Die Konfiguration der zwei Gerätschaften, als auch die Weboberfläche finde ich persönlich als ausbaufähig an. Manche Konfigurationsschritte sind verwirrend oder schon in den Standardwerten falsch konfiguriert, unter anderem liegt dies auch an der mangelnden Dokumentation oder Konfigurationsanleitung, welche man sich selbst über Google und Co ersuchen muss. Allerdings spricht für die Modems auch die Funktion des VLAN Taggings, welches ja eine Grundvorraussetzung für Gegebenheiten waren. Daher bin ich froh, das Problem überhaupt mit einer mehr oder weniger guten Lösung behoben zu haben und die Standorte vor Ort überhaupt an das Netz bringen konnte und weiterhin kann.

 

over & out,

jonsch

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