SEO – Wie groß ist die Beeinflussung der eigenen künstlerischen Freiheit?

Die Abkürzung SEO steht für Search Engine Optimization zu deutsch Suchmaschinenoptimierung und ist eine Funktion um das Ranking einer Internetpräsenz zu messen. Eine Datenbank gefüllt mit Informationen beispielsweise der Struktur der Seitentitel, der Prozentwert von passiven Wörtern im Text und die Benutzung von richtigen Keywords. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt an Daten, die gesammelt werden um dann die Positionierung der Webseite durch Suchbegriffe bei Google, Bing und Co zu bestimmen. Je besser der SEO Wert ist, desto besser wird man gelistet bei Suchanfragen und das spiegelt sich natürlich auch in den Besucherzahlen einer Seite wieder. Im Endeffekt müsste ich meine Seite und meine Artikel so gestalten, dass diese mit den SEO Vorgaben übereinstimmen, damit diese überhaupt gefunden werden können. So viel zu der Funktion SEO und deren Daseinsberechtigung.

Nun stellt sich mir allerdings die Frage, wie sehr beeinflusst mich dies in meiner künstlerischen Freiheit? Kann ich nun meine Text nicht mehr nach meinem eigenen Geschmack verfassen und gestalten, sondern muss mich nach Richtlinien orientieren, damit diese überhaupt irgendwann ein Publikum finden und bei Suchmaschinen gelistet zu werden? Möchte ich mich so abhängig von einer Funktion machen, dass dies meine komplette Art des Bloggens beeinflusst und ich mich an ein System für eine höhere Aufmerksamkeit unterwerfe? Die Hauptfrage die ich mir allerdings persönlich stelle ist, ob das mein Erstreben ist und ob ich das in Kauf nehmen möchte?

Eine Pflicht, mich an diese Vorgaben zu halten, sehe ich in meinem Fall nicht. Da ich persönlich kein Profit mit dem Blog scheffeln möchte und auch keine hunderttausenden von Besuchern mein Ziel des Ganzen sein soll. Aber sobald jemand mit seinem Blog Geld verdienen möchte, kommt um die Einhaltung der SEO Richtlinien nicht drum rum. Weil wenn ich nicht gut gelistet werde und diese Positionierung abhängig von Faktoren, wie die Gestaltung des Inhalts, mitbestimmt werden, dann habe ich ein Problem an diesem Punkt meiner Blogger-Karriere erreicht.

 

Dank einer Live-Ansicht der SEO, welche dauerhaft aktiv ist und sich aktualisiert während des Schreibens des Blogbeitrags, kann ich schon mal einen kleinen Vorgeschmack bekommen, an welchen Vorgaben ich schon bei meinen ersten drei Absätzen jetzt gescheitert bin. Allein dies reicht aus, damit mein SEO Wert so schlecht ist, dass ich es auch gleich hätte sein lassen können mit dem Beitrag.

 

Schon das erste Problem besteht in der Länge des Beitragtitels. Zu lang. Nämlich zu lang, weil WordPress automatisch hinter den Beitragstitel meinen Domainname, anhand des Seitentitel-Tags hinzufügt. Das kann man ohne ein SEO-Plugin, wie dieses, nicht bearbeiten. Genauso verhält es sich mit der Meta-Beschreibung des Beitrags. Wenn ich diese nicht anpassen würde, setzt sich der Google-Bot einfach einen Text anhand des Inhalts zusammen und fertig. Das würde eventuell auch erklären warum man manchmal so komische Meta-Beschreibungen auf Google und Co liest…

 

 

… quasi wie bei meinem. Hier wurde der Einstiegstext aus meinem vorletzten Beitrag genommen und als Meta-Beschreibung des gesamten Blogs verwendet. Das finde ich nicht so berauschend, weil sich der Text auf einen speziellen Beitrag bezieht und nicht auf den gesamten Blog. Das Schlimme ist aber dennoch, dass ich es nicht mal über WordPress ändern kann, wie bereits oben beschrieben. Weiter geht es mit folgendem…

 

 

Muss ich dazu noch was sagen?… äh schreiben! Nicht das mein Ranking noch mehr negativ beeinflusst wird, durch eine falsche Ausdrucksweise meinerseits, ups…

Spaß beiseite, es fehlen Untertitel in den drei Absätzen. Bis jetzt hatte ich aber keinen Bedarf Untertitel anhand von Überschriften einzubringen um was von den drei Absätzen zu trennen? Man müsste jetzt hier oder im Laufe des Beitrags, unnötiger Weise Untertitel einbauen, damit aus dem rot ein grün wird. Ich habe nichts gegen strukturierte Beiträge, ich mache das auch anhand von sogenannten Beitragsbäumen, wie man beispielsweise hier schön sehen kennen. Mehr als 50% meiner Sätze sind länger als 20 Wörter und daher weit über der Vorgabe von maximal 25% im gesamten Beitrag. Ich schreibe gerne und oft lange Sätze, habt ihr bestimmt bereits gemerkt, aber das hat auch einen Hintergrund. Lange Sätze sind oft aufwendiger zu schreiben, meiner Meinung nach auch schöner zu lesen und klingen nicht so abgehackt. Geschmackssache, allerdings nicht für den SEO Wert, dort ist es offensichtlich ein Störfaktor und das gibt auch gleich mal prozentual Abzug in der Gesamtwertung. Dazu kommt noch die Vorgabe, in welcher Art und Weise ich meinen Beitrag schreiben soll. Bloß nicht so viel den Passiv verwenden, anscheinend unangenehm zu lesen und stört. Ich müsste dann im Nachhinein ganze Sätze oder komplette Absätze anpassen und das empfinde ich persönlich dann langsam doch schon als Beeinflussung meiner Schreibweise.

 

 

Zack! Mein letzter Absatz ist länger als 150 Wörter und damit gleich als negativ eingestuft. Wieso soll oder kann ein Absatz über ein Thema nicht länger als 150 Wörter sein? Kann ich leider nicht nachvollziehen und mir auch nicht erklären. Wieder ein paar Prozente vom gesamten SEO Wert weg.

 

Der letzte Reiter des Plugins ist der des Fokus-Keyword. Macht ja auch Sinn, ein oder mehrere Keyword/s zu verwenden um durch stichpunktartige Suchanfragen besser gefunden zu werden. Da ich hier testweise nur die Freeware Version verwende, kann ich nur ein Keyword definieren, mit der Premium Version sind unbegrenzt viele möglich. Schlagwörter verwende ich mit der internen Funktion von WordPress bereits bei jedem meiner Artikel, welche auf meiner Seite als Tag Cloud dargestellt werden, allerdings handelt es sich hier um Keywords, welche explizit für die Suchmaschinen sichtbar sind. Natürlich kann diese Option auch nicht direkt über WordPress bearbeitet werden, sondern nur über ein Plugin wie dieses. Nervig.

Desweiteren wird gemeckert, dass ich den Bildern kein alt-Attribut hinzugefügt habe. Dieses Attribut steht für Alternative und soll bei Bildern, die nicht dargestellt werden können, einen alternativen Text anstatt des Bildes anzeigen. Welch ein Glück ist dieser Mangel nur bei Verbesserungen aufgeführt und nicht bei Problem! Das gibt dann eventuell nur die Hälfte als sonst an Prozenten Abzug, puh! Wo wir gerade bei dem Thema Verbesserungen sind, bekannt ist uns ja schon, dass wir einen zu langen Titel haben, allerdings fehlen auch ausgehende Links. Also wenn keine vorhanden sind, einfach welche sinnlos im Beitrag einbauen. Das steigert natürlich die Qualität des Beitrags enorm, sinnlos zu verlinken, aber Hauptsache der SEO-Wert steigt.

Jetzt nochmal etwas positives. Gelobt werde ich für mehr als 300 Wörter und für fünf interne Verlinkungen, danke dafür. Das wird meine SEO hoffentlich retten… nicht.

 

Ich habe nun als Letztes mein Fokus-Keyword SEO hinzugefügt und das hat meinen Wert deutlich gepusht. Die grünen Punkte wurden mehr und mein SEO-Wert hat sich nun als gut eingeordnet.

 

Fazit

Trotz meiner überwiegenden Kritik zu dem Thema, möchte ich ein doch sachliches und objektives Fazit schließen. Ich persönlich kann nicht viel gut heißen zu dem Thema, dennoch ist ein solches Plugin sinnvoll für Leute, welche gezielt besser durch Suchmaschinen gefunden werden wollen. Da viele Möglichkeiten von Haus WordPress aus nicht gegeben werden, füllt solch ein Plugin die Lücken bei der besseren Außendarstellung der Beiträge oder des Blogs. Desweiteren finde ich sehr positiv, dass das Plugin nicht nur nörgelt, sondern auch zu Erklärungen in Form von Beiträgen auf der Herstellerseite des Plugins verlinkt. An sich finde ich die Software gut gestaltet, hilfreich und einfach zu bedienen.

Die Leitfrage; wie groß ist die Beeinflussung der eigenen künstlerischen Freiheit? steht noch aus zu klären. Die Antwort muss jeder Blogger für sich selbst finden und eine Entscheidung treffen, wie er damit umzugehen hat. Im Endeffekt sind es die eigenen Beiträge die dann so angepasst werden müssen, damit das System „zufrieden“ ist und das Ranking dann auch dementsprechend hoch ist. Wer einen Blog betreibt um wirtschaftlich Geld zu scheffeln, der kommt um SEO nicht herum und ist nahezu verpflichtet sich an die Angaben zu halten, um auch von der breiten Masse an Blogs im Internet gefunden zu werden. Ich persönlich werde das Plugin erstmal installiert lassen, um ein Gefühl zu bekommen, wie der Beitrag gerankt werden würde. Alle Angaben werde ich auf keinen Fall befolgen, weil mich dies persönlich schon einschränkt und das ist nicht mein erstreben. Da der Blog auch keine Einnahmequelle darstellt und auch in Zukunft nicht darstellen soll, fühle ich mich auch nicht dazu aufgefordert, mich an solche Vorgaben zu halten.

Ob man das System nun gut findet oder nicht, ändert nichts an der Tatsache, dass es nach dem Schemata arbeitet. Man kann es kritisieren und für schlecht empfinden, aber ändern wird dies nichts. Vergleichbar mit einer aufregenden Meute bezüglich eines verabschiedeten Gesetzes, muss man es akzeptieren und einen Weg finden, damit umzugehen.

 

over & out,

jonsch

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